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AKW Zwentendorf – ein schräges Unikat!

8. Dezember 2016 Veröffentlicht von Monika Hauleitner

Eine Erfolgsstory sieht wohl anders aus! Jahrzehnte brauchte es, bis aus dem gefürchteten Atomkraftwerk Zwentendorf eine stromliefernde, umweltfreundliche Event Location wurde, wo der Betreiber EVN meint, die Welt zu retten! Österreich ist eben anders!

zwentendorf1-kremskultur 1972: Baubeginn des GKT [Gemeinschaftskernkraftwerk Tullnerfeld]
Atomkraftgegner machen mobil! Ein Hungerstreik von Müttern vor dem Kanzleramt und Demonstrationen von Atomkraftgegnern führen zur Entscheidung von Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky, das Volk über die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf abstimmen zu lassen: Was dann folgt, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgedacht:
zwentendorf2-josefparak 5.11.1978: Nicht Atome werden gespalten, aber eine ganze Nation!

Ergebnis der Volksabstimmung:
  • 1.576.839 – 49,53 % für Inbetriebnahme des Atomkraftwerks
  • 1.606.308 – 50,47% gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks

29.469 Stimmen machen den Unterschied und schreiben Geschichte!

zwentendorf10-josefparak Dass Bundeskanzler Kreisky bei einer Ablehnung des AKW zurücktreten wollte, war recht schnell vergessen: Es sollte wohl ein Ende der Atomkraft in Österreich sein, aber kein Ende für Kreiskys Karriere! Die Kommandozentrale des AKW blieb leer! Kurioses am Rande: Man wollte den Kerntechnikern einen möglichst angenehmen Arbeitsplatz mit natürlichem Licht bieten. Somit wurden Fenster mit Blick ins Grüne eingebaut! Erst hinterher entdeckte man die nicht unwesentliche Gefahr eines recht einfach verübbaren Anschlags von außen. Damit die Techniker, wenn schon nicht Strahlung, dann wenigstens (Sonnen-)Strahlen genießen können, ergänzte man in der Schaltzentrale eine Panzerglaswand!
zwentendorf2-kremskultur Voll der Hoffnung, dass das AKW zu einem späteren Zeitpunkt in Betrieb genommen würde, ging man in einen Konservierungsbetrieb über. Bis zum März 1985 sollte dieser dauern. Im verflixten 7. Jahr, d.h. etwa 1 Jahr vor der Katastrophe in Tschernobyl, beginnt die GKT Verwertungsgesellschaft mit dem Verkauf der Einzelteile, Brennstäbe. Dutzende ausgebildete Kerntechniker verlassen die Warteschleife und nehmen weltweit Jobs an oder wechseln in andere Energieversorgungsbetriebe in Österreich. Die strahlend gelbe Unterwäsche für AKW Mitarbeiter im Dienst bleibt ihnen erspart! Eine Besichtigung des Kraftwerks ist nicht nur technisch, sondern auch Mode-technisch gesehen eine Zeitreise in die 70er Jahre!
zwentendorf4-josefparak Kreative Ideen bis hin zu kuriosen Projekten sollten in Zwentendorf umgesetzt werden – eins scheitert nach dem anderen!
 zwentendorf4-kremskultur 2005: EVN (Energieversorgung Niederösterreich) kauft das Kraftwerk und das Umland! Immerhin 24 ha in bester Lage neben der Donau mit zugelassener Kraftwerkswidmung und Nutzungsrechte für Donau-Wasser! Mittlerweile praktisch unbezahlbar! Nun ist nicht mehr Scheitern Programm, sondern GRÜN! Damit das keiner vergisst, bekommt er selbiges auf den Kopf!
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AKW Zwentendorf strahlt durch eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen:

Das einzige Atomkraftwerk weltweit, …

  • … das betriebsfertig gebaut wurde, aber nie in Betrieb gegangen ist!
  • … das eine aktive Fan-Gemeinde auf facebook hat!
  • … das ökologisch Strom erzeugt, nämlich mittels Photovoltaikanlage (seit 2009); immerhin 450 Kilowatt Strom!
  • … mit Wartelisten von Gästen, die Führungen buchen möchten!
  • … sinnvoll für die Umwelt eingesetzt wird: Seit 2003 ist das AKW Schulungszentrum für Techniker aus aller Welt, um den realen Einsatz sicherer durchführen zu können! Vor allem Kerntechniker aus baugleichen deutschen Kraftwerken nutzen diese Trainingsübungen im Trockendock für Übungen von Wartungs-und Reparaturmaßnahmen unter realitätsnahen Bedingungen. Etwa 120 Kurstage pro Jahr tragen zum sicheren Betrieb andernorts bei!
  • … das sicherste AKW der Welt: Jahrelang war im Gebäude die Niederösterreichische Landesgendarmerieschule untergebracht!
  • … eine Party Location der Extraklasse: Über 1000 Räume, strahlende Beleuchtung, technisches Interieur – die perfekten Bedingungen für Events aller Art: Konzerte, Modeschauen, Kulisse und Musikvideos, Drehort für internationale Filme.
  • … wo man ganz getrost alles fotografieren darf, was man sieht! Die Spionage-Gefahr dürfte ist eine vernachlässigbare Größe!
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Was wäre wenn…. sich knapp 30.000 Menschen anders entschieden hätten?

Das AKW Zwentendorf …

  • … wäre etwa 50 km vor Wien ein mittlerweile abgewracktes Atomkraftwerk;
  • … hätte durchschnittlich 27 Tonnen hochradioaktiven Müll pro Jahr erzeugt;
  • Wir bräuchten spätestens jetzt eine Entsorgungslösung für die nächsten 240.000 Jahre!

ABER: Die Mehrheit der Österreich hat Gott sei Dank Weitblick bewiesen!    😎

Einige Fotos wurden mir freundlicherweise von meinem liebe Austria Guide-Kollegen Josef Parak überlassen! Die entsprechenden Fotos sind markiert!
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