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Friedhof Krems: Kunst und Natur im Dienste der Trauer

27. Oktober 2016 Veröffentlicht von Monika Hauleitner

Die ursprünglich sehr zentral rund um die Kirchen und Klöster gelegenen Friedhöfe sind im Laufe der Jahrhunderte und im Zuge diverser Reformen immer weiter an den Stadtrand gewandert. So kommt es, dass der derzeitige Friedhof von Krems am Ostrand der Stadt liegt, in unmittelbarer Nähe zu zwei großen Einkaufszentren und an der Hauptverkehrsader der Stadt. Das wusste man freilich im Jahr 1859 noch nicht, als am 16. Oktober der Domprobst Kuchelbacher aus St. Pölten den neuen Friedhof einweihte.

Ziemlich genau ein halbes Jahrhundert später sollten zwei lokale künstlerische Größen, die maßgeblich das heutigen Stadtbild geprägt haben, nämlich Gustav Bamberger und Josef Utz Vater, nicht nur den Lebensraum der Kremser gestalten, sondern auch den Ort ihrer letzten Ruhe.

Gustav Bamberger, ein Leben lang Gratwanderer zwischen Architektur und Malerei, lieferte die Inspiration, Ideen und Baupläne; Josef Utz Vater sollte derjenige sein, der den Ideen des Künstlers auch konkrete Form gab. So entstand in den Jahren 1907/1908 die Friedhofskapelle als neuromanischer Zentralbau. Wohlhabende Kremser Bürger hatten durch großzügige Spenden zum Bau beigetragen, der anlässlich des 60-jährigen Priesteramts von Dr. Anton Kerschbaumer (1823-1909) in Auftrag gegeben wurde. 1908 nahm Bischof Dr. Rößler die Einweihung der Kapelle vor.

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Architektonischer Steckbrief der Kapelle:

Regelmäßiger kreuzförmiger Grundriss mit Halbkreisapsis im Norden. Über der Vierung liegt ein achteckiger Kuppeltambour mit Pyramidendach und Zwillingsbogenfenstern. Die Kreuzarme sind durch Schopfwalmdächer gedeckt. Der südliche Teil ist als offene Vorhalle mit tonnengewölbter Rundbogenöffnung gestaltet. An der Nordwestecke erhebt sich ein achtseitiger Treppenturm und im Nordosten die Sakristei.

Etwas mehr als 20 Jahre später, genau genommen im Jahr 1929, sollte Gustav Bamberger auch die Pläne für die Aufbahrungshalle liefern. Als Maler ließ er sich auch in der Architektur von lokalen Formen inspirieren und das Ergebnis war ein expressionistisch-secessionistischer Bau. Am Vorabend zu Allerheiligen, 31.10.1929, weihte Probst Pfarrer Schrimpf die Aufbahrungshalle ein!

Adresse der beiden Gebäude: Wiener Straße 87

 

Innenansichten der Kapelle:

Wunderschöne Fenster mit einer Stadtansicht von Krems

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„Kremser Trauergarten“ – eine Besonderheit des Kremser Friedhofs:

In Zeiten, wo Feuerbestattungen immer häufiger werden, wurde im Jahr 2010 am Ostrand des Kremser Friedhofs der „Trauergarten“ angelegt, der immerhin Platz für etwa 900 Urnen bietet, wahlweise einzelne Urnen oder Urnensäulen für Familien, die kreisförmig um einen in der Mitte liegenden Verabschiedungsplatz angeordnet sind.

Architektonisch ist die ewige Spirale des Lebens symbolisiert dargestellt. Die drei Kreise stehen für Geburt, Wachsen und Vergehen. Der Altbaumbestand konnte harmonisch in diese neue Anlage integriert werden.

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Ehrengräber am Kremser Friedhof

Auf dem Kremser Friedhof befinden sich ca. 50 Ehrengräber wie zum Beispiel:

 

Prof. Dr. Harald Kühnel (verst. 24.8.1995)

Leiter des Kulturamtes, Gründer des Institutes für Realienkunde des Mittelalters der Akademie der Wissenschaften in Krems; Lage des Grabes: Westseite Friedhofskapelle

 

Josef Utz sen. 1858-1909

Stadtbaumeister und Planer. Gemeinsam mit seinem Sohn Josef Utz jun. prägte er das Stadtbild von Krems um die Jahrhundertwende an der Ringstraße, rund um den Stadtpark und in der nach ihm benannten Utz-Straße. Sein Grab befindet sich direkt an der Friedhofskapelle – Westseite.

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Gregor Hradetzky

* 31.1.1909 in Krems an der Donau – U 29.12.1984 in Bad Kleinkirchheim

  • Doppelter Olympia-Sieger bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin mit dem Faltboot über 10.000 m und im Kajakbewerb über 1000 m.
  • International angesehener Orgelbauer: Besonders hervorzuheben ist seine in Kooperation mit Ronald Sharp 1979 für das Opernhaus Sydney errichtete Orgel mit 131 Registern auf 5  Manualen und Pedal

Friedhof Krems                 Friedhof Krems

 

Auf den Friedhöfen der Stadt Krems können Verstorbene ohne Unterschied von Religion, Bekenntnis, Weltanschauung und Herkunft bestattet werden.

Gustav Bamberger

* 3. 12. 1861 in Würzburg; † 30. 5. 1936 in Zehenthof bei Scheibbs; österreichisch-deutscher Maler und Architekt; er studierte Architektur in Düsseldorf und an der Technischen Hochschule Wien sowie an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Friedrich von Schmidt. Er nahm Malunterricht bei Hugo Darnaut und Hugo Charlemont in Wien sowie in Karlsruhe bei Carlos Grethe und Gustav Schönleber. 1893 wurde er Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Ab dem Jahre 1900 war er in Krems an der Donau als Konservator und Architekt tätig, wo er öffentliche Gebäude wie die Friedhofskapelle, eine Leichenhalle und 1912 die Neuaufstellung des Städtischen Museums ausführte. Im Jahre 1902 war er an der Eröffnungsausstellung des Wiener Hagenbundes beteiligt. Von 1900 bis 1922 war er Mitglied des Hagenbundes.

Weiteres Wirken in Krems: Pläne für eine Sappeur-Akademie auf dem Kreuzberg, ein ehrgeiziges Vorhaben, das wegen des Kriegsverlaufs 1917 nicht realisiert werden konnte.

Museen wie das Städtische Museum in Krems, das Niederösterreichische Landesmuseum aber auch private Sammlungen sind im Besitz von bedeutenden Werken, meist Landschaftsmotiven Bambergers. 1923 zeichnete die Stadt Krems Gustav Bamberger mit der Ehrenbürgerwürde aus. Zu seiner Würdigung benannte die Stadt die „Gustav-Bamberger-Straße“ (Krems-Lerchenfeld)

Kommentare, Ergänzungen, Korrekturen – bitte jederzeit gerne an office@kremskultur.at! Freue mich über jede Rückmeldung!

 

 

 

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