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Krems: Hohe Tafel mit Schlingen – Galgen, Radständer oder doch Fitnessgerät?

23. November 2020 Veröffentlicht von Monika Hauleitner

Franz Xaver Ölzants „Tafel“ – Ein Waldviertler Urgestein mitten in Krems

Veröffentlichte Kunst – Kunst im öffentlichen Raum

In den Jahren 1990-1995 realisierte das Land NÖ das Vorhaben, Künstler und ihre Werke im öffentlichen Raum präsent zu machen. Skulpturen sollten nicht länger im Depot in St. Pölten ein unbemerktes Dasein fristen, sondern an geeigneten Plätzen im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden. Rund ein halbes Dutzend Skulpturen fanden den Weg nach Krems. Als Dauerleihgabe kann man sie im ganzen Stadtgebiet bewundern. Bei Stadtführungen tauchen häufig Fragen nach den Künstlern, der Symbolik, ihrer Aussage etc. auf – Grund genug, sich die Werke anzusehen. Wir beginnen mit der „Tafel“ von Franz Xaver Ölzant

Franz Xaver Ölzant: Hohe Tafel mit Schlingen

Diorit und Bronze, 310 x 160 cm, 1987

Der große Tafelmonolith ist ein Urgesteinsolitär und stammt aus dem Dioritvorkommen bei Gebharts, unweit Pfaffenschlag. Monolith und Künstler kommen aus derselben Gegend!

Der Künstler setzt fünf wohlgeformte Metallschlingen aus Bronze auf die raue Steinfläche.

Wer Symbolik, Aussagen oder gar Botschaften sucht, wird vergeblich suchen. Bei Ölzants Großskulpturen geht es um Strukturen und Erscheinungsformen. Ölzant stellt Materialien und Formen gegenüber. Form-Prinzipien sind seine Hauptanliegen.

„Eine Hommage an

das Waldviertler Gestein“

Franz xaver ölzant

Weit entfernt von jeder Symbolik und einem inhaltlichen Programm. Was zählt, sind Formen und Strukturen, das Material und dessen Einsatz.

Die Frage „was ist das?“ kommt bei Stadtführungen sehr häufig. Nicht selten mit dem Zusatz „ein Galgen, ein Mahnmal, eine Hinrichtungsstätte…?“ Und so stellte ich die Frage nach dem Inhalt auch dem Meister. Franz Xaver Ölzant erzählte mir vom Strukturellen, von der  Gegenüberstellung der Materialien, von Form-Prinzipien. „Keine Symbolik, keine Aussagen. Interpretationen sind erwünscht“, meinte Franz Xaver Ölzant. Der Betrachter ist eingeladen, sich Gedanken zu machen!

„Denken Sie sich etwas aus!“ – Ende des Gesprächs!

Zur Person: Franz Xaver Ölzant

Geboren 1934 in Oberzeiring, Steiermark; Studium von 1955 bis 1958 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Hans Knesl. Danach wählte Ölzant Pfaffenschlag im Waldviertel als seine neue künstlerische Heimat und Standort für sein Atelier. Nach eigenen Aussagen ging er zurück in die Heimat seiner Großväter, wo er bis 1965 als frei schaffender Künstler tätig war. 1978 bis 1982 Besuch der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er seit 1986 eine Professur innehat. Er lebt und arbeitet in Pfaffenschlag und in Wien. Zahlreiche Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum – darunter weitläufige Landschaftsskulpturen, die sich den örtlichen Gegebenheiten anpassen – belegen sein umfangreiches Schaffen. Das Werk lässt sich keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen. Ölzant gilt als einer der großen Erneuerer der österreichischen Plastik nach 1945. 2005 wurde er mit dem Kulturpreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.

Rückmeldungen, Kommentare, Ergänzungen, Feedback jeder Art bitte gerne an: Mail office@kremskultur.at

Standort: mit Pluscode in Google Maps suchen: CH6X+C6 Krems an der Donau

Quellen:

  • Telefonat mit Franz Xaver Ölzant, November 2020
  • F.X.Ölzant: Skulpturen und Plastiken, 1984 bis 1992, Niederösterr. Gesellschaft für Kunst und Kultur, Sommer 1993
  • https://www.gedaechtnisdeslandes.at
  • Eintrag zu Franz Xaver Ölzant in wikipedia

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