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STIFT GÖTTWEIG: Nachhaltigkeit wie sie im Buche steht…

10. April 2016 Veröffentlicht von Monika Hauleitner

Wer meint, Nachhaltigkeit wäre eine Idee unserer Generation, liegt weit daneben! Nachhaltigkeit ist kein Geniestreich eines Ökonomen, keine Idealvorstellung eines Ökologen und auch kein Geistesblitz eins findigen Marketingexperten: Nachhaltigkeit hat wahrlich einen langen Bart!

Bereits im Jahr 1713 schreibt Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) in seinem Werk Sylvicultura Oeconomica:

Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse (im Sinne von Wesen, Dasein, d. Verf.) nicht bleiben mag.“ (S. 105–106 in der „Sylvicultura Oeconomica“).

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Ein Exemplar der Sylvicultura Oeconomica (2.Auflage) aus der Göttweiger Stiftbibliothek ist derzeit im Stiegenaufgang zum Hof, in unmittelbarer Nähe der Apotheke zu bewundern!

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Woher kommt nun diese Idee, nur so viel Holz zu schlägern, wie nachwachsen kann?

Carl von Carlowitz war ein Spross einer Familie des sächsischen Uradels, die seit Generationen im Waldmanagement tätig war und wie im 17. Jahrhundert üblich, unternahm Carlowitz eine Kavalierstour (1665 bis 1669), eine Reise quer durch Europa zur Bildung und Horizonterweiterung und hatte dabei gesehen, dass Holz ein knapp gewordener Rohstoff war. Die Erzgruben und Schmelzhütten mussten mit Holz als Energiequelle versorgt werden, die Städte wurden größer und verbrauchten mehr Brennholz und eine geregelte Aufforstung im Waldbau gab es noch nicht.

Bereits 1669 wurde auch in Frankreich von König Ludwig XIV ein modernes Waldgesetz erlassen! Basierend auf diesen Erkenntnissen und der Energiekrise dieser Jahre schrieb Carlowitz sein Werk!

Carlowitz‘ Anleitung zur richtigen Forstwirtschaft setzte sich rasch durch und fand auch in zahlreichen Klosterbibliotheken Eingang. 1732 wurde sogar eine zweite Auflage gedruckt! Und genau das ist der Punkt, wo Stift Göttweig ins Spiel kommt!

Ein Exemplar dieses Standardwerks der Forstwirtschaft befindet sich in der Bibliothek vom Stift Göttweig und ist im Aufgang vom Benediktinerganz zum Hof ausgestellt!

Allerdings handelt es sich im Stift Göttweig bei der Nachhaltigkeit nicht um altes verstaubtes Bücherwissen, sondern hier wird Nachhaltigkeit gelebt!

Seit Jahrhunderten hat die Waldwirtschaft für die Göttweiger Mönche eine zentrale Bedeutung: Holz als Baumaterial und auch als Brennholz. Früher wurden die Öfen mit Holz befeuert, heute betreibt man ein modernes, zentrales Biomasse-Heizwerk.

Stift Göttweig bewirtschaftet immerhin 5300 Hektar Wald, davon 4800 ha Wirtschaftswald und 300 ha Nebengründe (Nichtholzboden).

  • Das Revier Kleinwien liegt südlich der Donau, im östlichen Teil des Dunkelsteinerwaldes und ist teilweise schon im Besitz des Klosters seit seiner Gründung im Jahr 1083.
  • Das Revier Ottenschlag liegt im Waldviertel, nördlich der Donau.

Durch 230 km LKW-befahrbaren Forststraßen sind die Wälder erschlossen.

Mit 64% nimmt die Fichte den Löwenanteil ein; andere wichtige Baumarten sind Kiefer, Douglasie und Lärche.

Klösterliche Mammutbäume:

Die Göttweiger Forstverantwortlichen hatten aber gelegentlich auch eine Liebe zu Exoten: So pflanzte Herr Prälat Adalbert Dungel vom Stift Göttweig im Jahre 1880 mehrere Samen der „Wellingtonia gigantea“ in die Erde. Heute ragen diese „Adalbert-Wellingtonien“ als wahre Mammutbäume hoch über die Baumkronen der umliegenden Wälder empor. Der größte Bestand von Mammutbäumen, den es in Österreich gibt!

Anregungen, Kommentare, Ergänzungen etc. bitte gerne an .img@.img

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