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Stift Melk: Klösterliche Mußestunden im Gartenpavillon

10. Februar 2018 Veröffentlicht von Monika Hauleitner

Ein Ort, wo man die Seele baumeln lassen kann und der dennoch im höchsten Maße repräsentativ ist!

Hatte sich Jakob Prandtauer mit dem Bau von Stift Melk und Stiftskirche noch ganz dem klerikalen Sein der Fratres und Patres gewidmet, so kam Franz Munggenast (sein Vater Joseph Munggenast war der Neffe von Jakob Prandtauer) die Aufgabe zu, den Rahmen für Mußestunden und Erholung zu schaffen.  Unter Abt Thomas Pauer entstand 1747/48 ein Gartenpavillon ganz im Sinne von Rekreation und Repräsentation. Ein Tor neben dem Schimmelturm führte direkt in die klösterlichen Gartenanlagen.

Stift Melk Gartenpavillon ®kremskultur Stift Melk Gartenpavillon ®kremskultur

Barockes Lebensgefühl mit reichlich Exotik – und das in klösterlichen Gefilden!

Für die Decken– und Wandfresken holte Abt Urbanus II Hauer in den Jahren 1763/1764 Johann Baptist Wenzel Bergl, ein Meister, wenn es um barocke Illusionsmalerei ging – mit Hang zur Exotik. Als Schüler von Paul Troger dürfte er schon zuvor mit dem Stift Melk und seiner barocken Ausstattung in Berührung gekommen sein. Nun lag es an ihm, die Natur in den Raum zu holen! Die Ausstattung des Gartenpavillons war der Beginn einer langen Reihe von Werken im Stift Melk. In den Jahren 1763-1786 schuf Bergl: Mehrere Gästezimmer, obere Bibliotheksräume und Nischen, Prälaturkapelle, 2 Zimmer im Priorat, etc:

Betrachten wir den Hauptraum von oben nach unten:

ZENTRALES DECKENFRESKO – Der Triumph des Lichtes über die Finsternis!

Darstellung der Erde im Wandel der Jahreszeiten – Licht und Wärme triumphieren über Dunkelheit und Kälte! Über dem Tempel der Europa erheben sich mythische Götterfiguren, die die Jahreszeiten darstellen.

Stift Melk Gartenpavillon Flora © kremskultur.at Stift Melk Gartenpavillon Ceres und Bacchus © kremskultur.at Stift Melk Gartenpavillon Aurora © kremskultur.at Stift Melk Gartenpavillon Borealis © kremskultur.at
FRÜHLING: Flora mit den Blumenranken in der Hand auf einem goldenen Triumphwagen – direkt unter der Sonne! SOMMER: Ceres mit einem Ährenkranz und HERBST: Bacchus mit seinem Füllhorn voller Früchte AURORA: Die Morgengöttin übergibt eine Fackel an den Nordwind Borealis neben ihr. WINTER: Mit gesenkter Fackel folgt der Winter Borealis, der als Nordwind Regen und Schnee vor sich her bläst.

Passend dazu die Architekturmalerei in Grisailletechnik: 4 Medaillons stellen die Jahreszeiten dar:

Stift Melk Gartenpavillon Frühling © Gerlinde Attam Stift Melk Gartenpavillon Sommer © Gerlinde Attam Stift Melk - Gartenpavillon - Herbst © Gerlinde Attam Stift Melk - Gartenpavillon - Winter © Gerlinde Attam
Frühling

(im Norden): Putti graben die Erde um

Sommer

(im Süden / links): Putti schneiden Getreide

Herbst

(Südseite / rechts): Putti keltern Wein

Winter 

(Nordseite / links): Putti fahren Schlitten

Über den beiden Nischen rechts und links vom Eingang tragen geflügelte Genien Medaillons mit den Portraits der beiden Äbte:

  • links: Abt Thomas Pauer (Der Zeitgott Chronos mit der Sanduhr lehnt auf einem Grabstein, weil Abt Pauer zwar den Bau des Pavillons begonnen hatte, aber bei Fertigstellung schon verstorben war!)
  • rechts: Abt Urban II. Hauer: unter ihm wurde der Bau vollendet und ausgestaltet! Daher auch die Engel mit den Ruhmesfahnen!

Darunter ganzfigurige Darstellungen von Franz Munggenast und Johann Wenzel Bergl.

Stift Melk - Gartenpavillon © Gerlinde Attam      Stift Melk - Gartenpavillon © Gerlinde Attam

 

Ad personam: Franz Munggenast 

*1724 in St. Pölten/NÖ – † 11. Mai 1748 St.Pölten; österreichischer Barockbaumeister; sein Vater war der Neffe von Jakob Prandtauer und ist sehr wahrscheinlich, dass er schon früh mit der Architektur und mit dem Stift Melk in Kontakt kam.

Werdegang: (vermutlich) Maurerlehre, Wiener Kunstakademie, Übernahme des Familienbetriebs 1742;

Hauptwerk: Der erst 18-jährige Munggenast bekommt den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche Herzogenburg/NÖ. Parallel dazu entstehen das Türkenbründl am Sonntagberg, Kalvarienberg in St. Pölten, Arbeiten am Dom zu St. Pölten, der Gartenpavillon des Stiftes Melk, 1746-48 – somit sein letztes Werk! Plötzlicher Tod im Alter von nur 24 Jahren!

Ad personam: Johann Baptist Wenzel Bergl 

* 23. 9. 1718 in Königinhof/Böhmen; † 15.1.1789 in Wien; österreichischer Maler der barocken Illusionsmalerei; Schüler von Paul Troger; viele seiner Ausmalungen zeigen paradiesische Gartenlandschaften, exotische Fauna und Flora, die er harmonisch und mit illusionistischem Geschick in die Raumarchitektur integrierte. Sein bekanntestes Werk sind die um 1770 gemalten Fresken in den so genannten drei Bergl-Zimmer in Schloss Schönbrunn. Bergl wurde damit zu einem der Lieblingsmaler von Kaiserin Maria Theresia (1717–1780), für die er 1776 Wandgemälde in Ihren Privatgemächern in der Wiener Hofburg ausführte.

Kirchliche Aufträge: Stiftskirche Klein-Mariazell (1764/65); Wallfahrtskirche Dornau (1766), Schloss Ober St. Veit, im Augustinersaal der Nationalbibliothek in Wien, in der Basilika Maria Dreieichen, im Stift Melk (Gartenpavillon) und im Schloss Pielach. Der Künstler starb am 15. Januar 1789 in Wien.

1754 Heirat mit Theresia Märsch (Wien/St. Ulrichskirche). Bergl dürfte von seinem Schwiegervater Johann Bernhard Märsch, der selbst „indianische Wanddekorationen“ am kaiserlichen Hof malte, in den Wiener Hof eingeführt worden sein! Trauzeuge und Taufpate von 2 der 8 Kinder ist sein Freund und Künstlerkollege Franz Anton Maulbertsch. Nur drei  Kinder überlebten Bergls Tod im Jahr 1789. Die beiden Söhne, Anton und Johann, folgten dem Vorbild des Vaters und Großvaters und ergriffen ebenso den Beruf des Malers.

Quelle:

  • http://erdteilallegorien.univie.ac.at/erdteilallegorien/melk-pb-melk-kloster-gartenpavillon
  • Diplomarbeit von Elisabeth Scherzer „Johann Bergl im Benediktiner-Stift Melk“ (2010)
  • diverse Publikationen vom Stift Melk
  • https://de.wikipedia.org

Fotos:  kremskultur und Gerlinde Attam!

Kommentare, Ergänzungen, Feedback jeder Art und vor allem schöne Fotos sind jederzeit willkommen! Bitte gerne an office@kremskultur.at!

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